Berliner FührungskräfteTag – Mut zur Führung
Berlin, 17. September 2011
Timo Plutschinski, Geschäftsführer von CiW, begrüßte die Teilnehmer im Namen des Veranstalters. «Die von Jahr zu Jahr wachsende Teilnehmerzahl spricht für die Qualität und Notwendigkeit des FührungskräfteTages», äußerte er zufrieden über den Erfolg der Veranstaltung. Und ohne weitere Umschweife gab er den Startschuss für das Vormittags-Programm mit zwei Plenumsvorträgen.
Erster Sprecher war Fred Jung, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der «juwi-Gruppe», einem führenden, internationalen Projektentwickler von Erneuerbare-Energie-Anlagen. Gegründet 1996 in einem Zwei-Mann-Büro ist «juwi» heute eine weltweit agierende Unternehmensgruppe mit mehr als 1.500 Mitarbeitern, die 2011 die 1-Milliarde-Grenze beim Umsatz überschreiten wird. Das Thema
seines Vortrags lautete «Markt im Blick und Mensch im Mittelpunkt». Jung sprach über Mitarbeiter- führung und den richtigen Mix aus Werten, Strukturen, Geld, Angst und Offenheit. Was ist wichtig bei einem derart rasanten Wachstum in einer solch dynamischen Branche?
Wichtig sind Vision und Leidenschaft in Kombination mit Strategie und Zahlen. Einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil erhält man nur durch permanente Innovation und Forschung. Womit die nächste Frage auftaucht: Was stelle ich in den Mittelpunkt, um dies zu erlangen? Bei «juwi» sind es eindeutig die Mitarbeiter. Es wird viel getan, Mitarbeiter zu ermutigen – das Wort Führung scheint bei «juwi» fehl am Platze –, sie an den richtigen Platz zu stellen und ihnen mit vielen Angeboten über Kindergarten, Sport und Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen ihre Wertschätzung auszudrücken. Kommunikation ist der Schlüssel, davon ist Jung überzeugt. Alle sind per Du, das Interesse füreinander und Zweier-Gespräche mit offenen Worten von beiden Seiten werden auf allen Ebenen gelebt. Das entspricht mit Sicherheit dem Menschenbild Jungs, doch fördert es auch die Faktoren wie Engagement, Herz und die Leiden- schaft für die gemeinsame Vision, die Mitarbeiter gerne bleiben lässt und «juwi» das so begehrte «Mehr» an Leistungsfreude bringt. «Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganz Welt gewönne und nehme doch Schaden an seiner Seele» (Matt. 16,26). Auch Jung kam an den Punkt, den viele Unternehmer kennen: Die Situation auf Messers Schneide, Aufgabe, Sorge, Verantwortung, Hilflosigkeit. Wichtig war und ist es für Jung, sich aus dem Zentrum zu nehmen und diesen Platz Gott einzuräumen.
«Meine Zeit steht in Deinen Händen» (Psalm 31,16). Zeit ist die gerecht verteilteste Ressource und Gott hilft bei der Antwort auf die Frage «Zeige mir, wie ich damit umgehen soll». «Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel» (Psalm 18,33), das macht die Gänge nicht unbedingt einfacher aber leichter. Jungs Vortrag war durchdrungen von Werten und Glaube dabei persönlich und ermutigend.
Dr. Michael Hirt aus Wien, Autor, Dozent, ist Experte für strategisches Management und Selbstführung. Sein Vortragsthema lautete «Grow or Go». Nach fünf Minuten war jedem Teilhehmer (neu) bewusst, dass Standing und Wettbewerbsvorteil jeden Tag neu erkämpft werden müssen. «Alles, was getan werden kann, wird tatsächlich getan. Die Frage ist nur, ob sie es selbst tun oder es ihnen passiert.», diese Sätze ließen jeden Zuhörer aufschrecken. Oft gelesen, doch so einleuchtend, eindringlich und unwiderlegbar hatte man es wohl noch nie gehört wie in den folgenden 50 Minuten. Dabei war Hirt professionell, humorvoll und nie dozierend. Mit wenigen Folien zeigte er auf, wie und wo die Schrauben angesetzt werden können, wie man die richtigen Fragen stellt und auf was es sich einzustellen gilt. «Wissen wird zum Allgemeingut, es geht um die Geschwindigkeit von Innovation, nicht um das
Stattfinden von Innovation». Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg. Wie schaffen wir Rahmenbedingungen, damit Massengüter wie Fleiß, Intelligenz, Gehorsam erweitert werden um die für ein Unternehmen so wichtigen Eigenschaften wie Kreativität, Leidenschaft und Initiative: darauf gab Hirt Antworten.
Nach dem Lunch ging es in die beiden Workshop-Blöcke. Jeder Teilnehmer konnte zwei Workshops besuchen und dabei unter diversen Angeboten auswählen.
Der Tag schloss mit dem Plenumsvortrag von John Sikkema aus Melbourne. Sein Leben drehte sich nur um Geschäft. Seine Tage um Arbeit. Mit 26 Jahren war er Inhaber eines erfolgreichen Unternehmens, doch der Preis dafür waren Krankheit, Schwierigkeiten in der Ehe. Mit 40 Jahren hörte er den Vortrag eines Christen, der sein Leben verändert hat. Sikkema verkaufte einen Teil der Firma und arbeitete einen großen Teil seiner Zeit ehrenamtlich. Dienen und Demut wurden zentrale Punkte seines Lebens. Und es ging: Die Firma ging nicht den Bach runter, nur weil er weniger präsent war, nein, sie wuchs sogar. Heute ist er Berater und Begleiter von Führungskräften und Direktor einer Immobilienfirma. Sätze wie «Sie müssen nicht immer alles gewinnen» oder «Nehmen Sie Schmerzen an und lassen Sie Schwachsein zu» klingen in den Ohren eines Unternehmers eher weltfremd – auch vielleicht in denen eines christlichen Unternehmers. Doch Sikkema erzählte so eindrücklich und einleuchtend von den Erfahrungen seines nunmehr reifen Lebens, dass seine «13 Things to turn your life around» (www.halftime.org) lesens- und bedenkenswert sind. «Immer wieder gern genommen» und «diesen Herbst trägt man Altrosa», nein, dies ist keine Loriot-Einlage. Es zeigt die Qualität der Themenauswahl. Man könnte das noch toppen mit «für jeden etwas dabei»:
- Es wurde auf Modethemen verzichtet, denn auch diese gibtes in der Wirtschaft.
- Alle Seminare waren in etwa gleich stark besucht.
- Die Teilnehmer öffneten sich neuen Impulsen bei Themen,die sie vielleicht glaubten «im Griff zu haben»
- Workshopleiter bezogen sich auf die beiden Plenumsvorträgevon Jung und Hirt: Ein Zeichen für Kompetenz und eine gesegnete Auswahl aller Protagonisten.
Was gab es noch?
2011 erstmals angeboten: Speedcoaching mit Katrin Kuhls. Diese Termine waren sechs Wochen zuvor ausgebucht. Das spricht für sich. Blitzberatung im Arbeitsrecht von Dr. Heiko Krenz mit ersten juristischen Einschätzungen. Auch dieses Angebot wurde gut wahrgenommen. 22 Aussteller aus den verschiedensten Bereichen sorgten zusätzlich für Anregungen und Kontakte.
«Das ist der bislang ausgefeilteste FührungkräfteTag». «Jedes Jahr wird die Technik noch besser eingesetzt, ist die Organisation noch runder», äußerte sich ein «alter Hase» zufrieden. Der Bogen wurde geschlagen, der Kreis geschlossen – egal: es war eine runde Sache: Mit Fred Jung sprach ein Unternehmer, der ehrlich und authentisch aus seinem überreichen Erfahrungsschatz eines eigentlich noch recht jungen Unternehmerlebens berichtete, wenn nicht Branche und Wachstum, ein Zeitraffertempo vorgegeben hätten. Sich diesem Tempo zu wiedersetzen, hätte sicherlich der Vision von Fred Jung entgegengestanden. Von Vision und Praxis ging es zu Strategie und Fakten: Michael Hirt verstand es mit Humor und bestechender Prägnanz, den Strategiecheck bei jedem Teilnehmer einzuläuten und hierfür die richtigen Impulse und Fragen an die Hand zu geben. Und als Abschluss nach den Workshops spach John Sikkema. Leger und überzeugend legte er dem Forum ans Herz, die richtige Frage zu stellen: «Was ist der Zweck meines Lebens».
Der nächste Berliner FührungkräfteTag findet am 15. September 2012 statt.


