18.02.2012

Ethiker: Wulff hätte mit Fehlern offen umgehen müssen

Zögerlich mit Fehlern umgegangen? Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Der zögerliche Umgang mit Fehlern ist nach Ansicht des Bochumer Sozialethikers Traugott Jähnichen ein Hauptgrund für das Scheitern von Christian Wulff als Bundespräsident. Aus Sicht der Kirche seien Menschen zwar fehlbar und Sünder, sagte Jähnichen in Bochum dem Evangelischen Pressedienst (epd). Von einem Bundespräsidenten könne man keine Makellosigkeit erwarten. Mit seinen Fehlern müsse er jedoch offen umgehen, sie entkräften oder zu ihnen stehen. Das habe Wulff aber nur sehr zögerlich getan.

Der Rücktritt war für Jähnichen folgerichtig. «Moralische Autorität ist für das Amt eine unabdingbare Voraussetzung», sagte der Professor für Christliche Gesellschaftslehre. Ein Politiker dürfe nicht den Eindruck entstehen lassen, von Unternehmen wirtschaftlich abhängig zu sein. Kein Mitarbeiter eines Unternehmens dürfe sich persönlich einen Vorteil verschaffen. Das könne jedoch nicht eingefordert werden, wenn der höchste Repräsentant des Staates im Zwielicht stehe.

Auch nach dem Rücktritt hält Jähnichen hohe Erwartungen an das höchste Staatsamt für berechtigt. Auf möglichen Nachfolgern liege jedoch jetzt eine doppelte Bürde.

Dass die Staatsanwaltschaft gegen Wulff ermitteln will, beurteilt Jähnichen zwiespältig. Einerseits werde das Präsidentenamt dadurch in Mitleidenschaft gezogen. «Anderseits ist es ein Zeichen für eine funktionierende Demokratie und einen intakten Rechtsstaat». Dadurch werde deutlich, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, sogar ein Bundespräsident, sagte der evangelische Theologe.

Kritik äußerte Jähnichen auch an den Medien. «Wenn Moral darauf zielt, eine andere Person herabzusetzen und zu diskreditieren, wird sie gefährlich», sagte er. Wulff habe mit seiner Hinhalte-Taktik massive Kritik in der Presse zwar auch provoziert. «Nichtsdestotrotz ist das in dieser Form nicht in allem richtig gewesen», sagte der Theologieprofessor.

epd