Gebrochenheit (Robert J. Tamasy)

26.08.2019

Was machen Sie normalerweise mit etwas Kaputtem, sei es einem Smartphone, einer Uhr, einem Stift oder sogar einem Auto? Reparieren? Wegwerfen? Einen geeigneten Ersatz finden? Neulich las ich von einer Methode, liebgewonnene Gegenstände zu reparieren, die sie sogar noch wertvoller machen kann.
Haben Sie schon von „Kintsugi“ gehört?

Es ist eine jahrhundertealte japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit Lack zu kleben, der mit kostbarem Metall wie Gold, Silber oder Platin versetzt ist. Dieser Vorgang basiert auf einer Philosophie, die Zerbrechen und Wiederherstellung als Teil der Geschichte eines wertgeschätzten Objektes betrachtet. Statt es wegzuwerfen und zu vergessen, wird das Zerbrechen gefeiert.

Dies brachte mich dazu, über die Gebrochenheit nachzudenken, die wir in unserem Leben erfahren. Egal, wie sehr wir es zu vermeiden versuchen, gehört Versagen zu unserer beruflichen Laufbahn genauso wie Erfolg: Wir bewerben uns auf einen viel versprechenden Job und werden nicht genommen. Eine heiß ersehnte Beförderung stellt sich nicht ein. Verkaufsverträge finden nicht zum Abschluss. Unternehmer müssen Konkurs anmelden, vielleicht sogar mehrmals.

Wie wäre es, wenn wir Versagen und Gebrochenheit nicht ignorieren oder zu verbergen versuchen würden, sondern ihnen eine Kintsugi-Behandlung geben würden, indem wir sie nicht als negative Erfahrungen, sondern als Chancen für Wachstum betrachten und dranbleiben würden, bis wir Erfolg haben?

Die Bibel lehrt, dass Gott auch in unserem persönlichen Leben Gebrochenheit dazu nutzt, uns zu den Männern und Frauen zu machen, die wir nach Seinem Willen sein sollen. In Psalm 51,19 heißt es, „Ich bin zerknirscht und verzweifelt über meine schwere Schuld. Solch ein Opfer gefällt dir, o Gott, du wirst es nicht ablehnen.“ Warum? In einigen anderen Bibelstellen finden wir eine Antwort:

Gebrochenheit führt zur notwendigen Demut. Erfolg erfüllt uns mit Stolz, wir denken dann höher von uns, als wir sollten. „Ich, der Hohe und Erhabene, der ewige und heilige Gott, wohne in der Höhe, im Heiligtum. Doch ich wohne auch bei denen, die traurig und bedrückt sind. Ich gebe ihnen neuen Mut und erfülle sie wieder mit Hoffnung.“ (Jesaja 57,15).

Gebrochenheit bringt unser Herz auf den richtigen Weg zurück. Manchmal erscheint unser Handeln äußerlich richtig, aber wir merken, dass es auf den falschen Motiven basiert. Gebrochenheit kann uns dazu bringen, nicht nur zu hinterfragen, was wir tun, sondern auch, warum wir es tun. „Was denkst du, worüber freut sich der Herr mehr: über viele Brand- und Schlachtopfer oder über Gehorsam gegenüber seinen Weisungen? Ich sage dir eines: Gehorsam ist wichtiger als das Schlachten von Opfertieren. Es ist besser, auf den Herrn zu hören, als ihm das beste Opfer zu bringen.“ (1. Samuel 15,22).

Gebrochenheit kann unseren Blick wieder auf Gott richten. Wenn die Dinge für uns persönlich und beruflich gut laufen, neigen wir dazu, zu vergessen, uns auf Gott zu verlassen. „Ja, zerreißt eure Herzen vor Trauer und nicht bloß eure Kleider! Kommt zurück zum Herrn, eurem Gott, denn er ist gnädig und barmherzig, seine Geduld ist groß, und seine Liebe kennt kein Ende.“ (Joel 2,13).

Gebrochenheit lehrt uns Abhängigkeit. Die Geschäfts- und Arbeitswelt fordert und fördert häufig eine Haltung der Unabhängigkeit. Die Erfahrung von Gebrochenheit kann unserer Selbstgenügsamkeit ein Ende setzen. Jesus erklärte, „Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben… ohne mich
könnt ihr nichts ausrichten.“ (Johannes 15,5).

 

© 2019. Robert J. Tamasy ist Vizepräsident von Leaders Legacy, Inc., einer gemeinnützigen Organisation in Atlanta, Georgia, USA.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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