Ist Dienen unter Ihrer Würde? (Robert J. Tamasy)

29.04.2019

Manchmal stolpere ich über Zitate, bei denen ich spontan denke, „genauso ist es!“. Eines davon, von einem unbekannten Verfasser, lautet, „Wenn Dienen unter Ihrer Würde ist, dann übersteigt eine Führungsposition Ihre Fähigkeiten“.

Ein solch tiefgründiges Zitat ist selten zu finden. Viel zu häufig nehmen wir Führungspersonen als Menschen wahr, die Befehle erteilen, Memos schreiben, die sich eher wie Anweisungen lesen, und Ziele festlegen, die andere erreichen sollen. Doch die mächtigsten, einflussreichsten Führungspersonen sind diejenigen, die es verstehen, anderen zu dienen.

Der verstorbene Geschäftsmann und Autor, Max de Pree, stellte fest: „Die erste Verantwortung eines Führers ist es, Realität zu definieren. Das letzte ist, danke zu sagen. Dazwischen ist der Anführer ein Diener“. Mahatma Gandhi drückte es so aus: „Der beste Weg sich selbst zu finden, liegt darin, sich im Dienst am anderen zu verlieren.“ Eine solche Haltung finden wir nicht bei vielen „Führungspersönlichkeiten“.

Von Dr. Martin Luther King jr. ist die Einsicht überliefert, dass jeder von uns groß sein könne, weil wir dienen können. Dazu sei kein Hochschulabschluss nötig, sondern lediglich ein Herz voll Gnade und eine Seele, die von der Liebe angetrieben wird. Robert K. Greenleaf, der ein Buch mit dem passenden Titel „Dienende Führung“ schrieb, ist gar der Ansicht, dass Führung ohne die Entscheidung zu dienen nur sehr eingeschränkt möglich sei.

Wenn ich an meine eigene Karriere denke, haben diejenigen Vorgesetzten den größten Einfluss auf mich gehabt, die eine dienende Einstellung hatten. Auch sie hatten jeden Tag Aufgaben zu erfüllen und Ziele zu erreichen. Aber ich hatte bei ihnen immer den Eindruck, dass sie mein Bestes wollten, mir helfen wollten, mich zu entfalten und erfolgreich zu werden.

Das größte Vorbild einer dienenden Führungspersönlichkeit ist Jesus Christus. Tatsächlich machte Jesus von sich selbst die bemerkenswerte, vielleicht sogar schockierende Aussage: „Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden.“ (Markus 10,45).

Während seiner Zeit auf Erden lehrte Jesus Seinen Nachfolgern tiefschürfende Lektionen. Er heilte viele, die zu Ihm kamen, weil sie unter verschiedensten Beschwerden oder Erkrankungen litten. Doch vor allem diente Er dadurch, dass Er Sein Leben am Kreuz hingab zur Erlösung der Menschheit von ihren Sünden.

Bei anderer Gelegenheit machte Jesus deutlich, dass das Prinzip der Dienerschaft nicht nur für Ihn, sondern für alle Seine Nachfolger gilt. „Wer ist denn der Herr? Wer sich bedienen lässt oder wer dient? Doch wohl derjenige, der sich bedienen lässt! Ich aber bin unter euch wie ein Diener.“ (Lukas 22,27). Der Apostel Petrus fasste dies folgendermaßen zusammen: „Dazu hat euch Gott berufen. Denn auch Christus hat für euch gelitten, und er hat euch ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt.“ (1. Petrus 2,21).

Die Führungspersönlichkeit, die anderen dient, ist es wert, dass man ihr folgt.

© 2019. Robert J. Tamasy ist Vizepräsident von Leaders Legacy, Inc., einer gemeinnützigen Organisation in Atlanta, Georgia, USA.
Übersetzung: Susanne Nebeling-Ludwar, Tübingen: S.Ludwar@gmx.de
Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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